Landbelegstellen sind ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der bayrischen Landbiene. Jede Imkerin und jeder Imker kann über die Belegstellenbegattung am Zuchtfortschritt der selektierten Zuchtpopulation teilhaben. Deshalb sind Belegstellen in Bayern gesetzlich geschützt und besitzen einen Schutzkreis, hier von 7,5 km, in dem alle Bienenvölker regelmäßig mit dem genetischen Material der Belegstelle umgeweiselt werden sollen. Bienenhalter im Schutzkreis sind verpflichtet, ihre Völker zu melden und mit der Belegstellengenetik umzuweiseln!
Als unsere Bienenbelegstelle 1966 eingerichtet wurde, war noch wenig zum Paarungsgeschehen der Honigbiene erforscht, aus heutiger Sicht wurde auf der Belegstelle ein überschaubarer Aufwand betrieben. Inzwischen ist viel mehr über die Paarungsbiologie und den Einfluss von Drohnenvölkern auf Belegstellen bekannt, was dazu anregt, die Gestaltung von Belegstellen zu überdenken.
Wichtigster Treiber der Evolution des Paarungsgeschehens bei Honigbienen war die Inzuchtvermeidung, Königin und Drohnen des gleichen Bienenvolkes sind Geschwister und sollen sich nach Möglichkeit nicht miteinander verpaaren. Auf Belegstellen machen wir genau dies, Drohnenvölker und Königinnen nahe beieinander aufstellen, als wären sie ein Volk.
Aber Königin und Drohnen des gleichen Volkes suchen unterschiedliche Drohnensammelplätze auf. Drohnen fliegen dabei bevorzugt zum nächsten Sammelplatz (bis 2 km) und erreichen über den kurzen Weg mit schneller Flugzeit eine längere Verweildauer auf der Paarungsbühne, ca. 20-25 Min.
Königinnen überfliegen dagegen die naheliegenden Sammelplätze und suchen solche in weiterer Entfernung (>3 km), wo sie Drohnen aus anderen Völkern finden. Die Paarung mit bis zu 10 Drohnen dauert nur wenige Minuten, was der Königin die weite Flugstrecke ermöglicht.
Auf einem Drohnensammelplatz treffen sich Drohnen vieler Völker von vielen Bienenständen, das kann in eine Größenordnung von bis zu 200 Völker gehen. Erst bei einem Aufkommen von rund 10.000 Drohnen ist ein Sammelplatz stabil.
Die Mehrfachpaarung mit rund 7 – 12 Drohnen verringert die Bedeutung des einzelnen Drohns für die Nachkommen, sollte einmal ein Bruder dabei sein.
Ihre Forschung zur Paarungsbiologie beschreiben G. und N. Koeniger in „Paarungsbiologie und Paarungskontrolle bei der Honigbiene“ (Verlag Buschhausen 2016).
Bei einem Versuch mit unterschiedlicher Anzahl Drohnenvölker auf der Belegstelle Gehlberg in Thüringen konnte beobachtet werden, wie mit zunehmender Zahl Drohnenvölker im Schutzradius der Belegstelle vorrangig diese Drohnen auf den Sammelplätzen vorherrschen und gleichzeitig weniger Drohnen aus der Umgebung einwandern.
Die Belegstelle Gramschatzer Wald macht sich diese Erkenntnisse zunutze und stellt bis zu 50 Drohnenvölker an verschiedenen Standorten im Waldgebiet auf. Wir wollen die Dominanz auf den entscheidenden Drohnensammelplätzen haben!